Horror rettet das Kino: Diese 2 FSK-16-Sensationen verändern gerade alles
Horrorfilme erleben einen spürbaren Wandel. Der Erfolg von „Backrooms“ und „Obsession“ zeigt, wie YouTube, Gen Z und kleine Budgets das Kino neu prägen.

Horrorfilme erleben einen spürbaren Wandel. Der Erfolg von „Backrooms“ und „Obsession“ zeigt, wie YouTube, Gen Z und kleine Budgets das Kino neu prägen.
Ein einziges Boxoffice-Wochenende hat gereicht, um Hollywood nervös zu machen. Zwei Horrorfilme, beide von jungen Regisseur*innen mit YouTube-Vergangenheit, haben nicht nur Erwartungen übertroffen, sondern ein großes Franchise hinter sich gelassen. „Backrooms“ und „Obsession“ stehen exemplarisch für eine Entwicklung, die viel über die Zukunft des Kinos verrät.
„Backrooms“, das Kinodebüt des 20-jährigen Kane Parsons, spielte laut The Wrap am Startwochenende 81 Millionen US- Dollar in den USA ein. Das Budget lag bei 10 Millionen. Damit ist Parsons der jüngste Regisseur, der jemals die US-Kinocharts anführte.
Zeitgleich entwickelte sich „Obsession“ von Curry Barker zu einem unerwarteten Dauerbrenner. Der Horrorfilm startete mit 17,1 Millionen und steigerte sich bis zur dritten Woche auf 26,4 Millionen – bei Produktionskosten von rund einer Million.
Bemerkenswert ist nicht nur die Höhe der Einnahmen, sondern auch, wen diese Filme ins Kino bringen. 86 % des „Backrooms“-Publikums waren jünger als 35 Jahre, 44 % sogar unter 21. Zum Vergleich: „The Mandalorian and Grogu“ kam bei ähnlich hohen Startzahlen nur auf 27 % Zuschauer*innen unter 25. Für die Studios ist das ein klares Zeichen, wo gerade die Aufmerksamkeit liegt.
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Horror trifft den Nerv von Gen Z
Horror war schon immer ein verlässliches Genre an der Kinokasse. Doch aktuell scheint es besonders gut mit der Lebensrealität und dem Medienkonsum von Gen Z zu harmonieren. Filme wie „Backrooms“ und „Obsession“ gelten als eigenständig, mutig und nicht glattpoliert. Genau das spricht ein Publikum an, das mit Social Media, YouTube und direkter Kommunikation aufgewachsen ist.
„Backrooms“ basiert auf einer YouTube-Reihe, die Parsons über mehrere Jahre aufgebaut hat. In kurzen Found-Footage-Clips erkundete er unheimliche, endlose Zwischenräume und entwickelte gemeinsam mit seiner Community eine eigene Mythologie. Für die Kinofassung unterstützte A24 das Projekt und besetzte Rollen unter anderem mit Chiwetel Ejiofor und Renate Reinsve.
„Obsession“ hingegen ist kein bestehendes Internet-Franchise, sondern ein Originalstoff. Barker, der zuvor vor allem Comedy-Videos auf YouTube und TikTok veröffentlichte, erzählte hier eine düstere Geschichte über einen Wunsch, der fatale Folgen hat. Der Film feierte Premiere beim Toronto International Film Festival und wurde von Focus Features für 15 Millionen US- Dollar erworben. Sein Erfolg wuchs vor allem durch Mundpropaganda.
Kleine Budgets, große Wirkung
Dass sich beide Filme kaum gegenseitig behinderten, obwohl sie dieselbe Zielgruppe ansprechen, überrascht selbst Branchenkenner*innen. Laut Focus Features blieb das Publikum von „Obsession“ konstant im Bereich der 18- bis 35, auch als „Backrooms“ in die Kinos kam. Kinobetreiber berichteten sogar von Horror-Fans, die beide Filme hintereinander sehen wollten.
Produzenten wie Jason Blum und James Wan sehen laut Variety Parallelen zu den 70er-Jahren. Auf der Produced By Conference beschrieben sie die aktuelle Horror-Welle als Rückkehr zu „edgy“ Filmen, die mit wenig Budget, aber klarer Vision entstehen.
Wan brachte es auf den Punkt: „Das Horror-Genre rettet unsere Industrie immer wieder.“ Blum sprach von einem Moment, der jungen Menschen erstmals seit Jahren wieder einen klaren Anlass gebe, vom kleinen Bildschirm zurück ins Kino zu kommen.
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YouTube als Filmschule
Ein zentraler Aspekt dieses Wandels ist YouTube selbst. Für Parsons und Barker war die Plattform kein Sprungbrett, das sie schnell hinter sich lassen wollten, sondern ein kreativer Raum, in dem sie ihr Handwerk lernen konnten. Beide arbeiteten mit frei zugänglichen Tools, tauschten sich direkt mit ihrem Publikum aus und entwickelten ihre Projekte Schritt für Schritt.
Der Schauspieler Mark Duplass bezeichnete die Erfolge von „Backrooms“ und „Obsession“ als „Lichtblick“ für eine angeschlagene Branche. In einem Video auf X erklärte er, dass diese Filme zeigen, wie demokratisiert Filmproduktion inzwischen ist: Kreative bauen online ein Publikum auf, verfeinern ihre Ideen und werden dann von Studios wahrgenommen, weil sie messbar Menschen ins Kino bringen.
Was das für die Zukunft des Kinos bedeutet
Natürlich heißt das nicht, dass große Franchises verschwinden. Auch weiterhin werden Fortsetzungen, Remakes und bekannte Marken die Kinocharts dominieren. Doch die Hürden steigen. Gerade für Stoffe ohne emotionale Bindung für Gen Z reicht Nostalgie allein nicht mehr aus.
Gleichzeitig wächst die Bedeutung neuer Stimmen. YouTube wird zunehmend zu dem, was Musikvideos und Werbefilme früher waren: ein Talentpool für das Kino. Parsons plant, das „Backrooms“-Universum weiter auszubauen, Barker arbeitet bereits an neuen Projekten. Beide zeigen wenig Interesse daran, sich sofort in bestehende Blockbuster-Maschinerien einzugliedern.

