Clint Eastwood: In seinen besten Western wäre es fast zum gewaltigen John-Wayne-Fiasko gekommen
Clint Eastwood hat in seinem besten Western viele Eigenschaften, doch ein Name zählt nicht dazu. Allerdings war zunächst der Namen einer Rolle von seinem größten Western-Konkurrenten für ihn vorgesehen.

Clint Eastwood hat in seinem besten Western viele Eigenschaften, doch ein Name zählt nicht dazu. Allerdings war zunächst der Namen einer Rolle von seinem größten Western-Konkurrenten für ihn vorgesehen.
Kaum eine Westernfigur ist so ikonisch wie Clint Eastwoods Mann ohne Namen aus der Dollar-Trilogie. Mit seiner lakonischen Art, dem Poncho und dem eiskalten Blick wurde er zum Sinnbild des modernen Italowesterns und läutete eine neue Ära ein.
Umso überraschender ist ein Blick hinter die Kulissen: Laut SlashFilm hätte dieser geheimnisvolle Antiheld beinahe einen Namen getragen, der untrennbar mit einem ganz anderen Western-Giganten verbunden ist – und zwar mit Clint Eastwoods größtem Hollywood-Rivalen John Wayne.
Eastwoods Ruhm gründet bis heute vor allem auf der Dollar-Trilogie, die entscheidend dazu beitrug, den klassischen Western umzubauen. Statt klarer Gut-gegen-Böse-Muster, wie sie viele Filme der John-Wayne-Ära prägten, dominierten plötzlich moralische Grauzonen, Gewalt und Zynismus.
Ironischerweise sollte Eastwoods Figur ursprünglich ausgerechnet nach einer Rolle benannt werden, die Wayne selbst berühmt gemacht hatte: Henry, genannt „Ringo Kid“, aus John Fords Westernklassiker „Ringo“ von 1939.
Der Western war in den ersten Jahren der Filmkunst das größte Genre. Doch warum sind die Geschichten rund um die Revolverheld*innen heute so gut wie ausgestorben? Die Antwort findet ihr in unserem Video:
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Die Eastwood-Wayne-Fehde
Dass dies brisant war, liegt auch an der offen bekannten Abneigung zwischen Eastwood und Wayne. Beide verkörperten unterschiedliche Generationen und völlig gegensätzliche Vorstellungen davon, was einen Helden ausmacht. Wayne hielt wenig von den neuen Westernfilmen und sparte nicht mit Kritik an Regisseuren wie Sam Peckinpah, dessen blutiger Film „The Wild Bunch“ ihm besonders missfiel.
Auch Clint Eastwood bekam Post vom „Duke“ persönlich, als dieser 1973 Eastwoods Film „Ein Fremder ohne Namen“ mit scharfen Worten verurteilte. Waynes Problem war weniger ein einzelner Film als vielmehr das neue, düstere Bild des Wilden Westens, das seiner eigenen Heldenlegende widersprach.
John Waynes Karriere hatte ihren entscheidenden Schub in den 1940er Jahren erhalten, ausgelöst durch „Ringo“. Seine Rolle als Gesetzloser Henry „Ringo Kid“ machte ihn zum Star, belebte das Western-Genre neu und festigte den Revolverhelden als moralisch klaren Helden.
Genau dieses Bild geriet jedoch 1964 mit „Für eine Handvoll Dollar“ ins Wanken. Eastwoods Figur sprach wenig, handelte brutal und war alles andere als eindeutig gutherzig. Sie stand damit im direkten Gegensatz zu Waynes Leinwandpersona. Rückblickend wirkt es fast wie ein Glücksfall, dass Eastwoods Figur nicht den Namen trug, der untrennbar mit Waynes Durchbruch verbunden war.
„Zwei glorreiche Halunken“, der dritte Ableger der Dollar-Trilogie, zählt laut der Internet Movie Database (IMDb) zu den besten Filmen aller Zeiten. Welche Werke den gefeierten Westen noch übertrumpfen, erfahrt ihr in unserem Video:
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Ein Name ist ein Name zu viel
Wie es dazu kam, beschreibt Patrick McGilligan in seiner Biografie „Clint: The Life and Legend“. Darin erklärt er, dass der Mann ohne Namen in einer frühen Drehbuchfassung tatsächlich Ringo hieß.
Duccio Tessari, einer der Drehbuchautoren von „Für eine Handvoll Dollar“ neben Regisseur Sergio Leone, hatte diesen Namen als bewusste Hommage an Waynes Figur aus „Stagecoach“ gewählt. Laut McGilligan war es jedoch Sergio Leone selbst, der diesen Plan stoppte. Er bestand darauf, dass der Protagonist namenlos bleibt. Er erklärte:
Zitat:
„Kein Name. Keine Vergangenheit, keine Zukunft, nur die Gegenwart.“
Auch Clint Eastwood setzte sich dafür ein, seine Figur so rätselhaft wie möglich zu halten. Gerade diese Leerstelle machte den Mann ohne Namen zu etwas völlig Neuem im Westernkino.
Hätte man ihn ausgerechnet nach einer der bekanntesten Figuren der Filmgeschichte benannt, wäre das weniger als respektvolle Verbeugung denn als gezielte Demontage verstanden worden. Wie John Wayne darauf reagiert hätte, können sich viele Western-Fans wohl vorstellen.

