„Ein enormer Schlag“: Christopher Nolan warnt vor drohender Kino-Krise durch Netflix-Deal

Zwischen Kino, Streaming und KI: Was Christopher Nolan an der aktuellen Entwicklung in Hollywood beunruhigt.

Feb 5, 2026 - 11:17
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„Ein enormer Schlag“: Christopher Nolan warnt vor drohender Kino-Krise durch Netflix-Deal
(Bildquelle: IMAGO / imageSPACE / CraSH imageSPACE)

Zwischen Kino, Streaming und KI: Was Christopher Nolan an der aktuellen Entwicklung in Hollywood beunruhigt.

Seit Dezember kursiert in Hollywood die Nachricht, dass Netflix zukünftig Warner Bros. übernehmen könnte. Der Streamingkonzern hat sich darauf geeinigt, das Film- und Streaminggeschäft von Warner Bros. Discovery für rund 72 Milliarden US-Dollar zu kaufen und sich damit zunächst gegen Konkurrenten wie Comcast und Paramount Skydance durchgesetzt. Ganz entschieden ist der Ausgang jedoch noch nicht, da Paramount weiterhin im Rennen ist.

Mit dem Deal würde Netflix eines der größten Studios der Branche übernehmen, zu dessen Portfolio bekannte Franchises wie „Harry Potter“ und „Game of Thrones“ sowie die Sender und Streamingdienste HBO und HBO Max gehören.

Im Zusammenhang mit der möglichen Übernahme von Warner Bros. meldete sich nun Regisseur Christopher Nolan („Oppenheimer“) als Präsident der Directors Guild of America (DGA) zu Wort und zeigte sich besorgt über die Folgen für die Film- und Fernsehbranche. Die rund 20.000 Mitglieder der Gewerkschaft sind mit einem deutlichen Rückgang an Arbeitsplätzen, dem Vormarsch künstlicher Intelligenz (KI) und der möglichen Eingliederung von Warner Bros. in entweder Netflix oder Paramount konfrontiert – ein Szenario, das weitere Konsolidierung im Streamingmarkt und eine Gefahr für die Zukunft des Kinobesuchs bedeuten könnte.

Nolan bestätigte, dass sich die DGA sowohl mit Netflix als auch mit Paramount ausgetauscht hat. Im Anschluss erklärte er im Interview Folgendes (via Deadline):

Zitat:
„Ich möchte nicht wirklich über die konkreten Inhalte der Gespräche sprechen, die wir geführt haben, aber öffentlich habt ihr gesehen, dass es bei beiden Unternehmen eine Bewegung gibt, etwa hin zur Anerkennung von Kinoauswertungsfenstern und ähnlichen Dingen. Das sind zwar ermutigende Signale, aber das ist nicht dasselbe wie eine verbindliche Zusage.“

In einem anderen Interview ergänzte er (via Variety):

Zitat:
„Wir haben sehr, sehr große Sorgen darüber, wie das alles ablaufen soll. Ich denke, es ist eine sehr beunruhigende Zeit für die Branche. Der Verlust eines großen Studios ist ein enormer Schlag.“

Nolan hat neun seiner Filme in Zusammenarbeit mit Warner Bros. realisiert, darunter „The Dark Knight“, „Inception“ und „Interstellar“. Sollte der Deal mit Netflix zustande kommen, würden auch diese Titel künftig zum Portfolio des Streamingdienstes gehören. Weitere Details zur Übernahme gibt es im Video:

» Video ansehen: Dieser Netflix-Deal könnte Hollywood für immer verändern

Christopher Nolan über die Zukunft von KI in Hollywood

In den kommenden Verhandlungen will sich die Gewerkschaft zudem stark auf generative KI konzentrieren (via The Hollywood Reporter). Bereits im Tarifvertrag von 2023 hatte die DGA halbjährliche Gespräche mit Studios und Streamingdiensten über deren Einsatz der Technologie durchgesetzt sowie eine verpflichtende Abstimmung mit Regisseur*innen, bevor Unternehmen generative KI zu kreativen Zwecken nutzen.

Nolan betonte jedoch, dass ihm das nicht ausreiche. Die Gewerkschaft müsse künftig aktiv daran beteiligt sein, wie diese Werkzeuge eingesetzt werden. Zudem wolle man klar regeln, in welchem Umfang die Arbeit der Mitglieder durch KI verändert oder manipuliert werden darf.

Mit Blick auf den im Dezember geschlossenen Deal zwischen Disney und OpenAI zeigte sich Nolan vorsichtig optimistisch. Lizenzmodelle seien ein Schritt in die richtige Richtung, sagte er, entscheidend sei jedoch, „wie diese Einnahmen letztlich an die Gewerkschaftsmitglieder weitergegeben werden“.

Unternehmen würden die Unterstützung der Gewerkschaften bei KI-Vereinbarungen erst dann gewinnen, so Nolan weiter, „wenn sie gezeigt haben, wie Kreative tatsächlich von solchen Lizenzmöglichkeiten profitieren“.