Clint Eastwood nur 2. Wahl: Der bedeutendste Western der Hollywood-Legende sollte erst an diesen Star gehen

Clint Eastwood revolutionierte das Western-Genre. Doch was viele gar nicht wissen: Er war lediglich die zweite Wahl für „Für eine Handvoll Dollar“.

Apr 24, 2026 - 13:51
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Clint Eastwood nur 2. Wahl: Der bedeutendste Western der Hollywood-Legende sollte erst an diesen Star gehen
(Bildquelle: IMAGO / Cinema Publishers Collection)

Clint Eastwood revolutionierte das Western-Genre. Doch was viele gar nicht wissen: Er war lediglich die zweite Wahl für „Für eine Handvoll Dollar“.

Heute gilt Clint Eastwood als eine der prägendsten Figuren des Western-Kinos. Doch als Sergio Leone Anfang der sechziger Jahre seinen ersten eigenen Western plante, war Eastwood alles andere als gesetzt. Sein später legendärer Auftritt in „Für eine Handvoll Dollar“ entstand weniger aus Überzeugung als aus Pragmatismus – und genau darin liegt die Ironie dieser Filmgeschichte.

Leone wollte laut der BBC ursprünglich James Coburn besetzen. Der hatte bereits Kinoruhm und passte perfekt zu dem Bild, das der Regisseur von seinem Revolverhelden hatte. Das Problem: Coburn war zu teuer. Rund fünfundzwanzigtausend US- Dollar hätte er gekostet. Eastwood, damals vor allem bekannt aus der Fernsehserie „Tausend Meilen Staub“, lag bei etwa fünfzehntausend. Das Budget entschied.

Tatsächlich zählt die „Für eine Handvoll Dollar“-Fortsetzung „Zwei glorreiche Halunken“ zu den besten Filmen aller Zeiten. Welche Werke dem Western-Hit Konkurrenz machen, verrät euch folgendes Video:

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Ein Körper statt einer Rolle

Leone sah in Eastwood zunächst keinen Schauspieler mit Tiefe, sondern vor allem eine Erscheinung. In Interviews beschrieb er später, dass ihn weniger Eastwoods Rollen als dessen Bewegung faszinierten. Dieses Langsame, scheinbar Gleichgültige. Leone verglich seine Art und Bewegung mit der einer Katze – ein Bild, das erstaunlich gut zu der Figur passte, die später als „Mann ohne Namen“ Filmgeschichte schreiben sollte.

Eastwood selbst begegnete dem Projekt mit Zurückhaltung. Western hatte er bereits zur Genüge gespielt, allerdings in klassischer amerikanischer Tradition. Der europäische Ansatz von „Eine Handvoll Dollar“ wirkte auf ihn zunächst fremd. Am Ende reizte ihn genau das: die Aussicht, dem Genre eine andere Richtung zu geben.

Dreharbeiten im sprachlichen Niemandsland

Die Produktion war ein internationales Provisorium. Gedreht wurde in Spanien, finanziert von mehreren europäischen Partnern, inspiriert von Akira Kurosawas „Yojimbo“. Verständigung am Set funktionierte nur bruchstückhaft. Leone sprach kaum Englisch, Eastwood kaum Italienisch. Dazu kam Spanisch, Deutsch und jede Menge Improvisation.

Dialoge wurden nicht gemeinsam gespielt, sondern in den jeweiligen Muttersprachen gesprochen und später synchronisiert. Das Drehbuch lieferte eher eine grobe Orientierung als ausgefeilte Dialoge. Diese Einschränkungen wurden später zu einem Stilmerkmal: wenig Text, viel Blick, lange Pausen, Spannung durch Bild und Musik.

Ihr fragt euch, warum der Western heutzutage kaum noch jemanden interessiert? In unserem Video gehen wir dieser Frage nach:

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Ein Film, der zunächst niemandem gefiel

Als „Eine Handvoll Dollar“ 1964 in Italien startete, reagierten Kritiker*innen überwiegend ablehnend. Auch in anderen Ländern überwog Skepsis. Der Film galt als brutal, überzeichnet und respektlos gegenüber dem klassischen Western. In Großbritannien und den USA fiel die Kritik ähnlich harsch aus.

Hinzu kam, dass der Film in den Vereinigten Staaten erst Jahre später erschien. Der Grund war eine Klage von Kurosawa, der Leone vorwarf, seine Geschichte zu kopieren. Erst 1967 kam der Film dort regulär in die Kinos.

Trotz aller Widerstände setzte „Eine Handvoll Dollar“ etwas in Bewegung. Der Spaghetti-Western etablierte einen neuen Blick auf das Genre: Antihelden statt moralischer Vorbilder, Gewalt ohne Verklärung, eine Welt, in der Geld und Macht wichtiger sind als Gerechtigkeit. Eastwoods Figur manipuliert rivalisierende Banden, handelt eigennützig und greift erst ein, wenn Unschuldige leiden.

Für Clint Eastwood bedeutete der Film den entscheidenden Wendepunkt. Aus dem soliden Seriengesicht wurde eine internationale Kinofigur. Was als Kompromiss begann, veränderte Karrieren und ein ganzes Genre. Sergio Leone suchte eigentlich jemand anderen. Gefunden hat er einen Star, der das Kino bis heute prägt.