Einzigartiges Filmerlebnis inspiriert von wahren Begebenheiten: Dieser Prime-Video-Film lässt mich nicht mehr los

"Die Nickel Boys" ist definitiv ein ungewöhnliches, aber umso sehenswerteres Filmerlebnis. Hier bekommt ihr eine spoilerfreie Kritik.

Feb 28, 2025 - 14:01
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Einzigartiges Filmerlebnis inspiriert von wahren Begebenheiten: Dieser Prime-Video-Film lässt mich nicht mehr los

„Die Nickel Boys“ ist definitiv ein ungewöhnliches, aber umso sehenswerteres Filmerlebnis. Hierzulande läuft das Drama leider völlig unter dem Radar.

Eigentlich versuche ich es zu vermeiden, mir schwere Dramen im Kino anzusehen. Für „Die Nickel Boys“, deren Romanvorlage ich erst im vergangenen Jahr gelesen habe, wollte ich aber mit diesem Credo brechen und habe mich schon mental darauf vorbereitet, im Kino zu weinen. Statt auf der großen Leinwand wurde der zweifache Oscaranwärter (Bester Film und Bestes adaptiertes Drehbuch) nun aber ohne große Ankündigung bei Prime Video veröffentlicht.

Diese Veröffentlichungsstrategie bringt sicherlich Vorteile mit sich, dennoch hätte ich diesen unkonventionellen wie wichtigen Film lieber in einem großen Kinosaal erlebt. Doch auch im Heimkino ist das fesselnde Drama unbedingt eine Sichtung wert!

Wie die Chancen für die „Die Nickel Boys“ stehen, bei den Oscars abzuräumen, lässt sich schwer einschätzen. Wie überhaupt abgestimmt wird, kann euch aber folgendes Video verraten:

Unkonventionelles Seherlebnis inmitten der Streaming-Eintönigkeit

Bevor die Geschichte wirklich Fahrt aufnimmt, fallen das ungewöhnliche Format und die Perspektive ins Auge, dir mir dann jedoch schnell klarmachen: Ich bin schon mittendrin. Durch Elwoods (Ethan Cole Sharp, später Ethan Herisse) Kinder- und Jugendaugen sehen wir prägende Erlebnisse seiner ersten Lebensjahre, bis wir schließlich die zerfetzte Kleidung der Nickel Academy überstreifen und uns in der neuen Umgebung zurechtfinden müssen.

Mit dieser Ich-Perspektive entzieht Regisseur und Autor RaMell Ross dem Publikum die Möglichkeit der Draufsicht auf eine von Ungerechtigkeit und Schmerz geprägte, aber nie hoffnungslose Schwarze Lebensgeschichte. Stattdessen bewegen sich die Zuschauenden so in Elwoods und später auch Turners (Brandon Wilson) Schuhen durch den Film und nehmen die Ereignisse zum größten Teil aus diesen beiden Perspektiven wahr.

Das ermöglicht ein besonders hohes Maß an Immersion, erfordert aber, vor allem in der zweiten Hälfte des Films, ein besonders hohes Maß an Konzentration. Trotz Heimkino hat Second Screening hier also keine Chance. Das ist natürlich aber auch der fesselnden Geschichte geschuldet.

Ebenfalls recht unkonventionell ist das Drama gespickt mit historischen Einspielern, die der fiktionalisierten aber auf wahren Ereignissen beruhenden Geschichte einen realen Unterbau liefern. Zusammen mit anderen künstlerischen Elementen entsteht so ein unverwechselbares Seherlebnis, das sich vom so oft kritisierten filmischen Einheitsbrei der vergangenen Jahre abhebt.

Berührende Geschichte über Freundschaft und Beharrlichkeit

Behutsam tastet sich „Die Nickel Boys“ an die kleinen und großen Ungerechtigkeiten heran, die die Protagonist*innen erleben, ohne dabei zu sehr ins optische Detail zu gehen. Colson Whiteheads Roman geht hier etwas schärfer ans Werk und erzeugt damit eindringliche Bilder in den Köpfen der Leser*innen.

Die sind für den Film aber gar nicht nötig. Auch so gelingt es RaMell Ross, ein bewegendes und aufwühlendes Bild eines der dunkelsten Kapitel der US-Geschichte zu zeichnen. Die Ungerechtigkeit, die den „Nickel Boys“ sowohl in als auch außerhalb der „Besserungsanstalt“ widerfährt, ging mir bis ins Mark – erst recht, wenn man nach der Filmsichtung direkt noch die reale Aufarbeitung der Geschehnisse in der Dozier School for Boys recherchiert.

Die Geschichte über zwei Jugendliche, die das Leben mit gleichen, aber doch ganz unterschiedlichen Augen betrachten, die sich trotz oder gerade deswegen anfreunden und noch Jahrzehnte nach den Ereignissen in der Nickel Academy eine tiefe Verbundenheit eint, lässt wohl niemanden kalt. Unabhängig von der emotionalen Ebene hoffe ich, dass der Film auch aufgrund seiner gesellschaftlichen Relevanz noch eine Weile nachhallt und im Gespräch bleibt.

„Die Nickel Boys“ seht ihr ab sofort bei Prime Video. Wer noch kein Abo hat, kann den Streamingdienst 30 Tage kostenlos testen. Auch den zugrundeliegenden Roman könnt ihr ganz bequem online bestellen.